Interview mit Neu-Kieler*innen zum Thema Nachhaltigkeit

Das Fahrrad oder das Auto, das Gemüse oder das Fleisch, die Plastik- oder die Stofftüten; die Entscheidungen, die wir jeden Tag treffen, wirken sich langfristig auf unsere Lebensqualität aus. Die Bevölkerung wächst ständig, so dass das Thema Nachhaltigkeit Tag für Tag einen wichtigen Platz einnimmt. Nachhaltigkeit bedeutet, die Lebensqualität, in der wir leben, so lange wie möglich aufrechtzuerhalten und Energiequellen mit Bedacht einzusetzen. Sie garantiert auch das Recht künftiger Generationen, von natürlichen Ressourcen zu profitieren.

Wir, die Redaktion des K.I.E.L. – Das Kieljournal, haben deshalb beschlossen, diese Ausgabe dem Thema Nachhaltigkeit zu widmen, das für viele Neu-Bürger*innen Kiels ein neues Thema sein mag.

Einfache Dinge in unserem täglichen Leben sorgen dafür, dass Ressourcen länger halten. Und außerdem können sie von zusätzlichen Kosten befreien. Dies hat uns dazu bewegt, die Meinungen neuer Kieler*innen mit Migrationshintergrund zum Thema „Nachhaltigkeit“ zu erfahren.

Jeder hat eine andere Einstellung und eine andere Art, mit dem Thema umzugehen. Aber alle sind sich einig, die Verschwendung von Ressourcen zu verhindern, über die Zukunft künftiger Generationen nachzudenken und sie zu einem nachhaltigen Leben zu ermutigen.

Gehst du mit der Idee mit, Wasser- und Stromverschwendung zu vermeiden?

Rasched aus Syrien: Wasser ist ein wesentliches Element, das die Dauer des Lebens garantiert. Die Bedingungen des Klimawandels und die dauerhafte Verschmutzung durch die Industrie führen zu einem Mangel an sicheren Trinkwasser- und Verwendungsquellen. Wir müssen so vorsichtig wie möglich sein, um Wasser zu sparen.
Strom ist eine wichtige Energiequelle, die wir in unserem täglichen Leben dauerhaft benötigen. Obwohl erneuerbare Energien (wie Wind- und Solarkraftwerke) stark ausgebaut werden, wird der Großteil des Energiebedarfs mit fossilen Brennstoffen abgedeckt. Dies bedeutet, dass ein Anstieg des Stromverbrauchs zu einer Steigerung ihrer Produktion führt. Und das bedeutet mehr Umweltverschmutzung durch fossile Brennstoffe. Meiner Meinung nach sollten wir die Verschwendung von Wasser und Strom verhindern und den Klimawandel begrenzen, um unsere Lebensweise aufrechtzuerhalten.

Muaaz aus Jemen: Leitungswasser und Strom kosten natürlich viel Geld. Meiner Meinung nach trägt diese Maßnahme des deutschen Staates zur Einsparung von Wasser und Strom bei. Unser Wissen über die Gefahren von Wasser- und Energieknappheit lässt uns stark an der Vermeidung von Abfall teilnehmen. Ich bin in meinem Haus immer daran interessiert, Wasser und Strom zu sparen und mache meine Kinder auf dieses Problem aufmerksam.

Amena aus Palästina: Ich denke, dass es für einen Menschen selbstverständlich ist, einen Moment innezuhalten und darüber nachzudenken, was um ihn herum vor sich geht: Von der Verschwendung natürlicher Ressourcen bis zum Klimawandel. Natürlich sind meine Familie und ich daran interessiert, die Verschwendung von Wasser und Strom zu verhindern. Wir halten es für notwendig, dass jeder in der Gesellschaft die Verschwendung natürlicher Ressourcen verhindert. Und darüber hinaus reduzieren sich die Kosten.

Abdien aus Syrien: Wasser und Strom sind zwei Quellen, auf die wir in unserem täglichen Leben nicht verzichten können. Aber ihre Produktion erfordert viel Energie, die die Umwelt schädigt. Daher ist es sehr wichtig, weder Wasser noch Strom zu vergeuden.

Wie gehst du mit Lebensmitteln um?

Rasched aus Syrien: Lebensmittel, die ich brauche, versuche ich so oft wie möglich für eine ganze Woche zu kaufen. Beziehungsweise, so viel wie ich brauche, damit ich sie nicht wegwerfen und mehr Geld bezahlen muss. Ich bemühe mich, alles zu verbrauchen. Und wenn einige der Sachen in meinem Kühlschrank schlecht geworden sind, kompostiere ich sie und verwende sie als Dünger in meinem Garten.

Muaaz aus Jemen: Normalerweise kochen wir zu Hause zum Mittagessen, aber manchmal übersteigt das Essen unseren Bedarf. Also bewahren wir es im Kühlschrank auf und essen es am zweiten Tag.

Amena aus Palästina: Ich versuche möglichst nicht zu viel zu kochen. Wenn wir doch zu viel haben, essen wir das Gericht später einfach noch mal.

Abdien aus Syrien: Ich kaufe wöchentlich Lebensmittel und Nahrung, die für längere Zeit im Kühlschrank aufbewahrt werden können. Aber Gemüse, Obst sowie verderbliche Lebensmittel kaufe ich dann, wenn ich sie brauche.

Bevorzugst du Gemüse oder Fleisch?

Rasched aus Syrien: Das Beste ist ein Gleichgewicht zwischen dem Verzehr von Fleisch und Gemüse. Daher ist die Menge meines Verzehrs von Fleisch und Gemüse ungefähr gleich. Denn jeder Mensch hat seinen eigenen Geschmack, an den er sich gewöhnt hat. Und der Körper braucht eine vielfältige Ernährung, um Vitamine und Mineralien zu erhalten. Ich bevorzuge Hühnerfleisch gegenüber rotem Fleisch, da die negativen Auswirkungen auf das Klima geringer sind.

Muaaz aus Jemen: Mehr Fleisch als Gemüse. Vielleicht kommt es darauf an, woran wir uns schon in jungen Jahren gewöhnt haben. Ich neige eher zu Fleisch als zu Gemüse.

Amena aus Palästina: Wir konsumieren mehr Gemüse, weil mein kleiner Junge kein Fleisch isst. Also ist unser Fleischkonsum geringer.

Abdien aus Syrien: Eigentlich esse ich Fleisch und Gemüse, bevorzuge aber Gemüse. Meiner Meinung nach sollten Menschen ihren Fleischkonsum reduzieren, um das Leid der Tiere zu verringern. Außerdem sollten wir die Luftverschmutzung durch von Kühen erzeugtes Methangas um einen großen Prozentsatz reduzieren.

Nutzt du Plastiktüten beim Einkaufen? Was sind die Gründe?Plastik oder alternative Produkte?

Rasched aus Syrien: Ich vermeide Plastiktüten so weit wie möglich, obwohl dies in einigen Fällen ein Muss ist. Aber ich bevorzuge es, Stofftaschen oder recycelte Tüten zu benutzen. Die kann ich dann längere Zeit verwenden.

Muaaz aus Jemen: Ich benutze keine Plastiktüten. Ich versuche so oft wie möglich Taschen zu nehmen, die ich längere Zeit verwenden kann.

Amena aus Palästina: Ich benutze Plastiktüten für den Müll, beim Kauf nutze ich aber lieber Stofftaschen.

Abdien aus Syrien: Ich benutze selten Plastiktüten, weil ich mir des Ausmaßes ihrer Umweltschäden bewusst bin. Denn sie brauchen sehr lange, um sich zu zersetzen. Im Gegensatz dazu gibt es viele Alternativen, die verwendet werden können. Ich begnüge mich persönlich mit Stofftaschen.

Sortierst du Müll? Was hältst du davon?

Rasched aus Syrien: Als ich vor 6 Jahren in Deutschland ankam, stellte ich fest, dass das Sortieren von Müll Teil der täglichen Routine ist. Ich folgte dieser Routine, die mich manchmal störte, ohne den wahren Zweck dahinter zu erkennen. Aber jetzt sortiere ich Müll ohne Beschwerden. Dies liegt daran, dass ich mir des Zwecks des Müllsortierens bewusst bin. Es trägt dazu bei, den Energieaufwand für das Recycling zu senken.

Muaaz aus Jemen: Ja, ich sortiere Müll, was dazu beiträgt, das zu recyceln, was recycelt werden kann.

Amena aus Palästina: Ich sortiere den Müll regelmäßig, da es die Verschwendung nützlicher Materialien verhindert. Und zusätzlich den Verbrauch neuer Rohstoffe und die Umweltverschmutzung verringert.

Abdien aus Syrien: Ich sortiere den Müll. Ich denke, dass ist eine sehr gute Idee. Dadurch kann einiges vom Müll wiederverwendet werden.

Benutzt du ein Fahrrad? Wenn nicht, welche Verkehrsmittel verwendest du und den Grund dafür?

Rasched aus Syrien: Mein Arbeitsbereich erfordert viel Muskelkraft, so dass ich nach dem Ende der täglichen Arbeit nicht mehr mit dem Fahrrad fahren kann. Deshalb benutze ich oft das Auto. Aber ich mag gern das Fahrrad im Urlaub und bei schönem Wetter fahren.

Muaaz aus Jemen: Ich benutze kein Fahrrad, da ich aufgrund meiner Schmerzen in den Hüftgelenken nicht fahren kann. Deshalb benutze ich öffentliche Verkehrsmittel. Aber ich ermutige meine Kinder, das Fahrrad zu benutzen.

Amena aus Palästina: Ich benutze das Fahrrad nur als Sport und Zeitvertreib. Ich benutze öffentliche Verkehrsmittel (Bus und Bahn), da meine Arbeit und mein Zuhause sehr weit voneinander entfernt sind.

Abdien aus Syrien: Ich brauche an normalen Tagen kein Fahrrad, weil meine Arbeit sehr nahe liegt. Deshalb gehe ich lieber zu Fuß. Ich verwende das Auto bei weiten Entfernungen, da mir dies viel Zeit und Mühe spart.

Was hältst du von Nachhaltigkeit? Wie wichtig ist Nachhaltigkeit in Kiel?

Rasched aus Syrien: Nachhaltigkeit ist in der deutschen Gesellschaft von großer Bedeutung. Während dieses Thema in Ländern der Dritten Welt, die vom Krieg zerrissen werden und unter schlechten Lebensbedingungen sowie unter Wasser- und Stromknappheit leiden, nicht als Priorität angesehen wird.
Während meines Aufenthalts in Deutschland hatte ich zunächst eine sehr naive Vorstellung vom Thema Nachhaltigkeit. Aber wir als menschliche Gemeinschaft brauchen mehr Bewusstsein dafür. Meiner Meinung nach sollten die lokalen Behörden industrielle und kommerzielle Aktivitäten fördern, mehr Schritte in Richtung Nachhaltigkeit zu unternehmen. Um Wasser und Energie einzusparen, sollten Unternehmen die Art und Weise verändern wie sie ihre Produkte dem Verbraucher präsentieren. Vielleicht eine Art Wettbewerb für die geringste produzierte Menge Müll oder so etwas.

Muaaz aus Jemen: Unser Lebensstil hier, bestimmt heute wie unsere Kinder und zukünftigen Generationen leben werden.

Amena aus Palästina: Ich unterstütze die Idee, die Lebensqualität mit natürlichen Ressourcen immer bewusster zu verbessern. Das bedeutet: Nachhaltigkeit im Sinne des Recycling oder der Erhaltung der verfügbaren Ressourcen und Vermeidung von Verschwendung.

Abdien aus Syrien: Nachhaltigkeit ist eine großartige Idee. Ich hoffe, wir können sie in unserem täglichen Leben anwenden um die Umweltverschmutzung zu reduzieren, die zur Zerstörung unseres Planeten beiträgt. Ich unterstütze die Idee, dass die Kieler Innenstadt autofrei wird.

Vielleicht denken Sie, Sie allein sind nicht in der Lage die Welt zu retten. Ja, das stimmt. Aber bereits kleine Veränderungen, die Sie vornehmen, können dazu beitragen die Verschmutzung zu verringern. Jeder noch so kleine Beitrag hilft unsere Welt und die unserer Kinder auch in Zukunft zu erhalten.