Als Kind fuhr ich oft mit meinen Eltern am Friedhof Elmschenhagen vorbei und mir fiel immer diese blaue Metalltür auf, aber ich konnte mir in diesem Alter nicht erklären, was sie zu bedeuten hatte. Später habe ich erfahren, dass  es wohl ein Eingang zu einem Bunker sein soll, aber ich wurde dann doch eines Besseren belehrt. Im Zuge meiner Recherchen zum Thema Bunker und Luftschutzstollen habe ich herausgefunden, dass diese blaue Metalltür keinen Eingang zu einem Bunker darstellt, sondern es sich um einen Eingang zu einem Luftschutzstollen handelt.

Da sich in Kiel Kriegsmarine und Werften für den U-Bootsbau befinden, war Kiel damals ein beliebtes Ziel für Luftangriffe, vor denen die Einwohner_innen geschützt werden mussten. Aus Kostengründen und Mangel an Materialien konnte der Bau von Hoch- und Tiefbunkern nur langsam voranschreiten. Daher wurde im Juli 1943 eine Verordnung erlassen, um den Bau von Luftschutzstollen überall dort zu bauen, wo es hydrologisch* passt. Diese Luftschutzstollen hatten zur Entwässerung einen Schacht unter den Stollen mit einer eigenen kleinen Kläranlage. Insgesamt gab es zu Kriegszeiten etwa 120 bombensichere Luftschutzanlagen. 33 davon waren Luftschutzstollen, ca. 23 waren Tiefbunker und den Rest stellten die Hochbunker dar.*

Da nicht alle Bunker gleich sind, möchte ich euch mit diesem Artikel den Unterschied zwischen Luftschutzstollen und Tiefbunkern erklären.Außerdem ist es natürlich für alle Neu- und alteingesessenen Kieler_innen interessant zu erfahren, dass einige Bunker wieder aktiv und modern für Events genutzt werden. So waren viele Kieler_innen sicher schon einmal auf einer Party im Rathausbunker, dem Hochbunker in Gaarden oder dem Bunker in Dietrichsdorf.

Größe und Schutzfunktion

Luftschutzstollen

Luftschutzstollen bestehen aus mehreren kleinen Stollen, die alle miteinander verbunden sind. Die Luftschutzstollen werden waagerecht in einen Berg bzw. Hang gegraben und die Wände und Decken mit Stahlbeton oder Stahllamellen verstärkt.

Tiefbunker

Tiefbunker hingegen sind unterirdische Anlagen, die ausgeschachtet werden, dann in der Grube gebaut und dann wieder ebenerdig zugeschüttet werden.

Unter dem Elmschenhagener Friedhof gibt es den Luftschutzstollen mit der besagten blauen Metalltür, von der ich anfangs sprach. Dieser Luftschutzstollen hatte 7 Eingänge und eine Gesamtlänge von 560 Metern. Er bot Schutz für ca. 2500 Menschen. Heutzutage leben dort sehr seltene Fledermausarten, weshalb eine öffentliche Nutzung nicht möglich ist.

Der Luftschutzstollen an der Ecke Finkelbergstr./Heckenrosenweg in Hassee wiederum sollte eigentlich 447 Meter lang werden und hätte Schutz für 1500 Personen geboten, wurde dann aber nur auf 100 Meter ausgebaut.